Gemeinde in Mainz
Fasten

3 frische Ideen für die Fastenzeit

Fasten ist wieder in „Mode“ gekommen.

Die Zeit nach Karneval und Fasching ist für viele Menschen ein Anlass zur Entsagung. Nach einer Forsa-Umfrage würden 78 Prozent der Deutschen in der Fastenzeit am ehesten auf Alkohol verzichten. Gefolgt von Rauchen, Fleisch, Süßigkeite und Fernsehen. Auf Computer oder Internet würden die wenigsten verzichten…!

Wenn wir die Zeit jetzt mal ganz lange zurückspulen:

Fasten war in der Zeit des Alten Testaments primär etwas, was aus einer Not heraus entstanden ist. Es sollte Leid abwenden, es sollte Ausdruck von Trauer sein. Mit Jesus kam jedoch ein neues Verständnis von Fasten. Er machte deutlich, dass das Verständnis vom Fasten sich einmal ändern wird:

Eines Tages kamen die Jünger des Johannes zu Jesus und erkundigten sich: „Warum fasten deine Jünger eigentlich nicht wie wir und die Pharisäer?“

Jesus fragte: „Sollen die Hochzeitsgäste denn traurig sein, solange der Bräutigam noch bei ihnen ist? Die Zeit kommt früh genug, dass der Bräutigam ihnen genommen wird. Dann werden sie fasten.

Mt. 9,15:

Fasten ist hier also ein Ausdruck unserer Sehnsucht.

Sehnsucht nach dem Reich Gottes, Sehnsucht nach Wiederherstellung. Sehnsucht nach einem Wachsen in der Beziehung zu Gott.

Dies können wir ausdrücken, indem wir auf das verzichten, was sonst unser Leben füllt.

In der Karwoche werden wir als Gemeinde zusammen fasten. Dazu haben wir ein ausführliches Papier erstellt, dass du gerne im Büro anfordern kannst

Hier möchte ich noch ein paar Gedanken mitgeben. Wir können zusätzlich von bestimmten Haltungen fasten.

Das – verbunden mit körperlichem Fasten – hat enorm starke Wirkung!

Drei kreative Ideen für die Fastenzeit.

Der Sinn des Fastens ist ja, sich seiner Abhängigkeit von etwas bewusster zu werden. Also achtsamer für das zu werden, was man glaubt, unbedingt zu brauchen. Und dann vermutlich zu erleben, dass diese Abhängigkeit künstlich ist, also man auch ohne das leben kann. Vielleicht sogar leichter.

Das Fasten zeigt einem, dass man ohne diesen Stoff oder diese Sache auskommt. Man hat eine Fessel abgestreift, von der man vorher glaubte, dass man ohne sie nicht leben könnte bzw. das Leben viel ärmer wäre.

Hier gebe ich 3 kreative Ideen,  mit denen wir unser Fasten unterstützen können:

1. Verzichte auf deine Erwartungen.

Um uns sicher fühlen zu können in einem unsicheren Leben, das jeden Moment enden kann und in dem uns schreckliche Dinge passieren können, brauchen wir Erwartungen.

„Wenn A, dann B“, ist unser Credo. Das betrifft die Verlässlichkeit der physikalischen Gesetzmäßigkeiten und den Lauf der Gestirne noch zu. Aber für das Verhalten unserer Mitmenschen erfüllt sich das nicht so berechenbar. Wer nett zu anderen ist, wird nicht immer belohnt sondern auch ausgenutzt. Wenn man mit gutem Beispiel voran geht, ist man trotzdem auch mal alleine.

Probiere es mal für eine Woche aus. Verzichte auf die Erwartung, wie etwas zu sein hat.

Wie etwas richtig, gerecht oder sinnvoll wäre. Wie ein anderer Mensch (dein Partner, Kind, Chef, Kunde, Nachbar) sich verhalten sollte, weil das doch das Normalste von der Welt ist. Weil man das doch zumindest verlangen kann.

Du kennst vielleicht schon einige deiner Begründungen, mit denen du deine Erwartungen in der Regel rechtfertigst.

Diese Begründungen sind menschlich – aber völlig irrelevant. Denn deine Erwartungen sind einfach nur deine Wünsche, wie etwas ein sollte. Und andere Menschen haben vielleicht ganz andere Erwartungen, die sind genauso in Ordnung.

Also, du kannst deine Begründungen pflegen aber du kannst deine Begründungen auch sein lassen. Weil sie nichts bedeuten. Es sind halt deine Erwartungen, sonst nichts. Und Erwartungen sind die Quelle von Enttäuschungen.

2. Verzichte auf negative Bewertungen.

Manche Menschen, die zu allem ihren abwertenden Kommentar abgeben müssen, halten sich ja für meinungsstark. Bei Lehrern und Politikern ist das fast schon eine Berufskrankheit. Zu allem eine Meinung haben, meist eine negative.

Mit den negativen Bewertungen ist es wie mit den Erwartungen. Sie bedeuten nicht viel, denn sie sind völlig subjektiv. Das Einzige, was sich vermutlich zu einem Gespräch oder zu einem Thema beitragen lässt, ist ein persönliches Gefühl oder Empfinden: „Finde ich angenehm oder unangenehm“.

„Gefällt mir nicht“ ist streng genommen keine Bewertung, sondern eine Gefühlsäußerung, und die kann niemand bestreiten.

Der Unterschied zur Bewertung ist, dass ich mit „Gefällt mir/nicht“ auch etwas über mich selbst aussage. Über mein Wissen, meinen Geschmack, meine Vorlieben.

3. Verzichte aufs Rechthaben.

Das ist schwierig 😉 Denn sehr vieles von dem, was wir in Diskussionen austauschen, dient genau diesem Zweck. Dass ich Recht habe und der Andere Unrecht. Blöderweise denkt der Andere dasselbe.

Mit dieser Dynamik kann man locker sechzig Minuten Talkshow füllen. Aber: Die Gäste der Talkshow ändern ihre Meinung nicht (dazu müssten sie ja nachfragen und verstehen wollen.)

Die Zuschauer ändern ihre Meinung meist auch nicht, denn sie wollen sich ja bestätigen lassen, dass Sie mit ihrer persönlichen Meinung schon immer Recht hatten. Und jetzt hat der Experte das auch noch bestätigt. Das fühlt sich schon super an.

„Nur mal“ in dieser Fastenzeit: Verzichte doch mal aufs Rechthaben.

Du könntest in deiner Partnerschaft damit anfangen.

  • Sie/er findet Bioäpfel besser als die Supermarktware?
    Gib einfach mal nach.
  • Er/sie findet, dass du zu dicht auf den Vordermann auffährst?
    Gib einfach mal nach.
  • Er/Sie findet, dass du zu streng/nachgiebig mit dem Kind bist?
    Gib einfach mal nach.

Was denkst du, wie viele Paartherapeuten ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, dass viele Paare lieber ums Rechthaben kämpfen als zufrieden miteinander zu leben.

Tipp: Probiere es mal mit Vielleicht hast du Recht. Das ist die entschärfte Variante. Jemand hat mal folgende Variante eingebracht: „An ungeraden Tagen hat meine Frau Recht, an den geraden Tagen ich.“

So, und nun viel Spaß und Tiefgang in der Fastenzeit!

Euer Jan